Kindergarten und Primarschule Wallenwil - eine Schule mit Profil

Auf der Schulanlage am Stutz in Wallenwil besuchen zirka 170 Kinder den Schul- oder Kindergartenunterricht in acht Klassen. Nebst den zwei Kindergartenklassen werden auch sämtliche Primarklassen als sogenannte Doppelklassen geführt, das heisst es sind jeweils Kinder von zwei (oder mehr) verschiedenen Jahrgängen vertreten.

Altersdurchmischtes Lernen (ADL)

Das altersdurchmischte Lernen ist uns ein grosses Anliegen. Nebst dem altersdurchmischten Doppelklassenunterricht (ADL2) findet einmal pro Woche während zwei Lektionen klassenübergreifender Unterricht statt. Projektartig wird in neu gebildeten Gruppen vom Kindergarten bis zur 6. Klasse gearbeitet.

Hinter dieser Form des Unterrichts steht die Überzeugung, dass Kinder, wie im Leben ausserhalb der Schule, von- und miteinander lernen. Im Gegensatz dazu steht der Jahrgangsklassenunterricht. Hinter den Jahrgangsklassen steht die Annahme, dass gleichaltrige Schülerinnen und Schüler in etwa die gleichen Lernvoraussetzungen mitbringen würden. Das führte zu einem Unterricht, in dem Schülerinnen und Schüler zur gleichen Zeit auf die gleiche Art und Weise das Gleiche gleich schnell und wenn möglich noch gleich gut lernen sollten. Massnahmen wie Zurückstellungen, Früheinschulungen, Repetitionen und Spezialklassen sind Folgen dieser Annahme. Die Idee der einklassigen Abteilung ist eine Falle, weil sie die Fiktion einer homogenen Lerngruppe unterstützt.

In altersgemischten mehrklassigen Lerngruppen sind Entwicklungs- und Leistungsunterschiede selbstverständlich. Die ohnehin vorhandene Vielfalt wird nicht vertuscht, sondern als normal betrachtet und genutzt. Es ist im Unterrichtsalltag normal, dass nicht alle Kinder gleich schnell und gleich leicht lernen. (aus Edwin Achermann "Unterricht gemeinsam machen")

Altersdurchmischtes Lernen bietet unterschiedliche pädagogische Vorteile wie zum Beispiel:

ADL und Lerntheorie

  • Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass heterogene Mischklassen mindestens gleich gute Schülerleistungen ermöglichen.(vgl. Christa Urech)
  • ADL bedingt Unterrichtsformen, die dem Kind individuelle Lernwege ermöglichen und bietet beste Voraussetzungen für den Einsatz wissenschaftlich fundierter Unterrichtskonzepte.
  • Heterogenität wirkt lernfördernd, denn die grössere Differenz unter den Lernenden wirkt sich fruchtbar auf den individuellen Lernprozess aus: Kinder können Kindern oftmals einen Sachverhalt besser und vor allem mit anderen Worten erklären als Erwachsene. Vergleich und Konkurrenz haben eine geringere Bedeutung.(vgl. D. Johnson und R. Johnson)

ADL und soziales Lernen

  • "Es ist normal, verschieden zu sein." (V. Sisti) In einer Schulhausgemeinschaft treffen Kinder aufeinander, die unterschiedlich alt sind, einen unterschiedlichen Lernstand und unterschiedlichste Bedürfnisse in schulischen und sozialen Belangen haben. Das Verschiedensein wird – durch die grosse Vielfalt - zur Selbstverständlichkeit. So wird der bewusste Umgang miteinander, Toleranz, Achtung und die Verantwortung füreinander gefördert.
  • Die Kinder nehmen im Laufe ihrer Schulzeit unterschiedliche Rollen ein: Die jüngeren Kinder wachsen in eine bestehende Gemeinschaft. Sie orientieren sich an den Älteren und übernehmen automatisch die bestehenden Rituale, sie sind Hilfesuchende und lernen von den Älteren. Die älteren Schülerinnen und Schüler werden zu Experten und Lernhelfern.
  • Kinder wachsen heute in einer veränderten Lebenswelt auf: Sie haben weniger Geschwister, mehr Kontakt zu Erwachsenen und stehen unter dem Einfluss verschiedener Medien. Die Schule muss vermehrt ein Ort sein, wo Kinder den sozialen Umgang miteinander erproben können.
  • Altersdurchmischtes Lernen ist ein Abbild gesellschaftlicher Heterogenität, wie sie in vielfältigen Lebenssituationen (Familie, Spiel, Sport, Musik, Kindergarten…) selbstverständlich ist.

ADL und Teamarbeit

  • Das altersdurchmischte Lernen fördert die Teamarbeit und nutzt die Stärken im Kollegium. Die Ressourcen des Kollegiums können vielen Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht werden.

Kooperatives Lernen

Nebst dem altersdurchmischten Lernen legen die Lehrpersonen von Kindergarten und Primarschule ein besonderes Augenmerk auf kooperatives Lernen. Es geht dabei um das strukurierte Lernen mit- und voneinander. Zentraler Punkt dabei ist der "Dreischritt" mit den drei Elementen Denken, Austauschen und Vorstellen (D-A-V).

Das erste Element "Denken" besteht aus Einzelarbeit. Die Schüler denken über einen Lerninhalt nach und verknüpfen Vorwissen mit bekanntem Wissen (Konstruktion von neuem Wissen). Das zweite Element ist geprägt vom Austausch in der Gruppe. Die Schüler tauschen ihr neu gewonnenes Wissen gegenseitig aus und besprechen allfällige Widersprüche oder Ergänzen sich gegenseitig (Ko-Konstruktion von neuem Wissen). Das dritte Element bildet das Vorstellen. Jedes Gruppenmitglied muss in der Lage sein, die neu gewonnenen Erkenntnisse im Plenum vorzustellen. Die Vorgestellenten Erkenntnisse werden geprüft und diskutiert (2. Stufe der Ko-Konstruktion).

Bei dieser Form des Lernens geht es um einen strukturierten Wechsel der Sozialformen. Damit gelingt es die Schüler besser zu aktivieren und grössere Verbindlichkeiten zu schaffen.